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„You are in the presence of Fishbone.“ (Juni 2006)

Die beste Band die es nie „geschafft“ hat, hat dem Wiener Publikum einen Scheitel gezogen. An die Wand und drüber hinaus gefegt wurde Stephan Skrobar


Gorbach, geh’ dich brausen. Mit deinen 160 in Kärnten kannst wirklich niemanden mehr beeindrucken. Wenn sich die Mazda 6 und VW Passat Fahrer dort auf der Autobahn beeilen, und austesten, wer sich mehr im Hochgeschwindigkeitsbereich tummeln kann, kann es nämlich passieren, dass sich alle miteinander einmal anschauen werden. Und zwar dann, wenn sie rechts am Pannenstreifen von Fishbone überholt werden, die auf Gitarren, Bass, Trommel aber wichtig auch auf einem ganzen Haufen Blasinstrumenten vorbeireiten. Mit einem diabolischen Grinsen im Gesicht und einem pfiffigen Reim auf den Lippen.

Und weil wir gerade beim Teufel sind. Der muss bei den Fishbone Granden einfach seine Hände im Spiel gehabt haben, denn mit rechten Dingen kann so ein Konzert einfach nicht zugegangen sein. Anlässlich der Bush Visite (Contra nicht Pro) waren Fishbone in ihrer langen Karriere erst das zweite Mal in Wien, und rearrangierten in der kleine Arenahalle Publikum und Inventar mit einem der treibendsten Auftritte seit überhaupt.

Fishbone sollte man kennen, muss man aber auf jeden Fall irgendwann einmal live gesehen haben. Der Autor dieser Zeilen hatte das lebensverändernde Vergnügen schon vor zehn Jahren in Kanada, und auch der diesmalige Auftritt, nein, die Show, war sinneserweiternd. Fishbone gibt es seit 1979, rund um Sänger/Sax-/ Theremin(!)spieler Angelo Moore und Bassisten Norwood Fisher, und sie entspringen der Szene in Los Angeles, die die Chilli Peppers oder Jane’s Addiction groß gemacht haben. Fishbone gelten, völlig zu Recht, als die am meisten unterschätzte Band der „alternativen“ Musikszene. Ihr Musikstil wurzelt im Ska und im Funk. Weitläufige Ausflüge werden gern und oft gemacht. Zum Punk, zum Reggae, zum Rhythmus und zum Blues, auch beim Schwermetall hat man schon vorbeigeschaut. Aber egal was, das Ding treibt immer wie ein transamerikanischer Frachtzug. Stehenbleiben gibt’s nicht, und wenn dann erst viel später. Fishbone hat viele bekanntere Bands beeinflusst. (Sagen Beeinflusste, wie Beeinflussende) Eben die Red Hot Chilli Peppers, No Doubt, Living Color, Sublime undsoweiter undsofort.

Achtung, vollmundige Behauptung: Es gibt keine bessere Liveband als Fishbone. Auf der ganzen Welt nicht. Jedes einzelne der sieben Bandmitglieder hat alleine mehr Charisma als alles was zusammengenommen zwischen 1996 und 2003 auf MTV gekrochen ist. Fisher hat Gerichtserfahrung weil er seinen Jugendfreund und ehemaligen Bandkollegen Kendall vor dem Wahnsinn retten wollte. Mit Duct-Tape und Betäubungspistole. Drummer John Steward trägt außer seinen Drumsticks nichts am Körper. Gar nichts. Und schlurft dabei über die Bühne als wäre er am Weg vom Schlafzimmer zum Häusl. Von Angelo Moore, der auch als Dr. Madd Vibe wütende SexDrugsandRocknRoll Poesie (und selbstverständlich auch Politik) vorträgt, muss man annehmen, dass er definitiv auf der Bühne lichterloh brennen würde, käme er mit einem Tropfen Weihwasser in Berührung.
Wenn also sieben solche Derwische auf der Bühne eindrucksvoll demonstrieren, dass Drogenkonsum und Musikschaffen zusammengehören wie der Seniorenklub und Eierlikör und also daraus auch sehr Gutes entstehen kann, dann glüht die Hütte wie es die kleine Halle in der Arena getan hat. Was hier nicht hergehört sind Banalitäten wie Setlists. Für die Nerds trotzdem ein paar Highlights: „Hide Behind My Glasses“, „Karma Tsunami“, „Date Rape“ (ja, das Sublime Cover) und „Party At Ground Zero“.

Wer Fishbone nicht live gesehen hat, und es auch nicht vorhat, der kann ja seinen Opel Vectra in Kärnten 160 treten. Einholen wird er Fishbone trotzdem nicht. Nie.

 

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Creatix Kommunikationsagentur Rumler Skrobar