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Deliverance (Now) (2005)

Rechtzeitig zum Jahreszeitenwechsel waren The Mission in der Szene Wien und brachten gute Musik und schöne Posen dar.

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Es war also Zeit für einen Lokalaugenschein.

Und welcher Anlass, frage ich, wäre für so ein Unterfangen wohl geeigneter als der musikalische Auftritt einer Band, die schon seit zwei Dekaden unter anderem auch den pathosschweren Schmerz am Dasein zum Inhalt ihres Liedgutes erhoben haben. The Mission waren wieder in der Szene Wien, auf ihrer ‚Lighting The Candles’ Tour. (Und das gerade einmal zwei Monate nach den Sisters.) Mit Bier und anlassbezogener Gewandung gab man sich also eine gute Dosis Deliverance.

Angekommen, umgesehen:Das Erlösung suchende Publikum präsentierte sich homogen. Lebensbejahende Farbgestaltung war bei der Kleidung (in Prozent) ungefähr so stark vertreten wie das BZÖ im steirischen Landtag. Endzwanziger würden den Altersschnitt empfindlich senken. Es wurde Smart geraucht. Bier aus dem sechzehnten Bezirk getrunken und man ging ausgesprochen höflich miteinander um. In dem Alter hat man sich ja glücklicherweise von wegen Härte und so nichts mehr zu beweisen.

Enter Vorgruppe. Elusive aus Norwegen, die trotz Forderung nichts von A-ha gespielt haben. Sonst haben die Jungs die Geschichte des Schwarzrocks aber gelernt, der Sänger glich dem guten Carl McCoy (Fields of the Nephilim) aufs Haar minus Mehlbestaubung. Musikalisch traf man sich eh auch dort, wenn auch einmal ansatzweise Carter USM durchzuhören war. Exit Elusive.

Noch ein Bier aus dem Sechzehnten.

Enter gewaltvolle Fanfaren. Enter Mission Band. Enter Wayne Hussey. Enter Posing vom Feinsten. Das Publikum reagierte erwartungsgemäß stoisch, bewegte sich ebenso erwartungsgemäß wenig sondern ließ sich gerade mal zu einem kollektiven Kopfnicken hinreißen. Das sollte sich aber ändern, als nämlich mit Fortlauf des Konzertes und der Einnahme motivationsfördernder Flüssigkeiten auch die Bewegungsfreudigkeit des Publikums massiv zunahm. Hier manifestierten sich anschaulich Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen The Mission 2005 und, sagen wir mal, NOFX 2005. (Zumal sich beide Protagonisten in der ungefähr gleichen Altersgruppe befinden, das Publikum aber keineswegs.) NOFX:Lied Eins, Converse in zweieinhalb Meter Höhe. Mission:Das Ding kommt langsam in die Gänge, geht dann aber auch ganz gut ab.

Zurück zum netten Abend in der Szene. Was für feine Mittelchen sich Herr Hussey vor Bühnenbetreten reingezogen haben mag, bleibt wohl sein Geheimnis, allein dürften sie Herrn Hussey zu einem gutaufgelegten Entertainer gemacht haben. Es wurde links und rechts ins Publikum gescherzt, demonstrativ an der Weinflasche genuckelt und nicht nur einmal der Zeigefinger mit der international gültigen „You know who you are!“ (auch als „You are the stars!“ bekannte) Geste in den sehr gut gefüllten Zuschauerraum gestreckt.

Musikalisch ging man bekannte Pfade. Eröffnet wurde der Reigen mit ‚Crystal Ocean’. Am lautesten wurde bei ‚Deliverance’ mitgesungen (Kann es irgendwo einen schöneren Imperativ im Refrain geben? „Gib mir! Gib mir! Gib mir!! Erlösung!!! Bruder! Schwester!!“), andere Quellen meinen es wäre bei ‚You Are Like a Hurricane’ gewesen. Was eigentlich einerlei ist, da ja schon der Umstand, dass das fast bierzeltmässige Mitsingen (andere Lesart:Mitgrölen) stattgefunden hat, ein Zeichen für einen gelungenen Abend ist. Nicht repräsentative Umfragen ergaben eine Posing Note von 9/10 von Sänger Hussey bei ‚Butterfly on a Wheel’. Nur hin und wieder geriet man in Versuchung, durch allzu schabernackhaftes Verhalten an der eigenen Legende zu kratzen. Glücklicherweise holten die Bandmitglieder Rob Holliday (Gitarre) und Richie Vernon (Bass) Hussey regelmäßig von Ausflügen in zu verspielte Gefilde zurück. Neues wurde auch präsentiert, und zwar das erst dieses Jahr erschienene ‚Breathe Me In’. Hier sei, unabhängig von allen begleitenden Umständen einmal erwähnt, dass The Mission nämlich auch wirklich gute, Genreübergreifende Musik machen.

Beendet wurde der Auftritt wenig überraschend mit einem ihrer eigenen Lieblingslieder, ‚Tower of Strength’ und dem beeindruckend dramatisch dargebrachten Liebkosen von Mikroständer, Gitarre, Bühnenanwesenden und dergleichen. Das Publikum freute sich sichtlich, grinste sich zufrieden an und das unausgesprochene Versprechen lag im Raum, sich spätestens am 14. November in ähnlichem Outfit bei New Model Army wieder zu sehen.

Dann leerte sich die Szene schnell, denn schließlich wollte man ja den Babysitter auch nicht für die ganze Nacht bezahlen müssen. Der Rest trank noch ein Stammgetränk. Persönlich möchte sich der Autor dieser Zeilen bei jener Dame bedanken, die ihm das zweifingrige Pfeifen beigebracht hat. So ward das ein rundum gelungener Abend in netter Umgebung. Es kann daher also folgerichtig ruhig dunkel bleiben.


 

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