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Old Time Relijun. A Sensajun. (2005)

Ein angekündigter Freakout hat im Chelsea stattgefunden. Stephan Skrobar war dabei. Yeah.


Es gibt solche und solche. Gestern waren solche in Wien im Chelsea zu Gast. Old Time Relijun, aus Washington State, checkten zum ersten Mal in Österreich ein und wurden im Vorfeld ihres Auftritts von einer für Ankündigungen zuständigen Wiener Publikation als „stets für einen Freakout gut“ bezeichnet. Das klingt vielversprechend. Also anschauen beziehungsweise anhören. Wie sich herausstellen soll, war das Anschauen dann eh genauso wichtig.

Aber zuerst mal im Internet ein bissel in die Musik reinhören. Was steht da? „...blend of primitive swamp stomp 'n swagger meets gutsy fucked up free jazz and throat singing punk gospel...“ Wer schreibt denn so was? K Records, das geniale Label, bei dem Old Time Relijun ihre Werke herausbringen. Dann muss es also stimmen. Jetzt noch schnell was angehört, vielleicht ein Track aus einem ihrer frühen Alben „Witchcraft Rebellion“.
Hmm... das tut weh! (Euphemismus!) Und zwar genau dort im Kopf, wo das Wattestäbchen nicht mehr hinkommt. Aber sei’s drum, live ist das immer eine andere Sache.

War es dann auch. Leider viel zu wenig Leute, man hätte leicht das gesamte Publikum in einem holländischen Reisebus untergebracht. Dafür hat der Sänger Arrington de Dionyso (so heisst er) das gut gelaunte Auditorium von Minute eins aber so was im Griff (wie man so schön sagt). Musikalisch war man geneigt, Parallelen zu den frühen Butthole Surfers herzustellen. Die Stimme vom Mr. de Dionyso ist entsprechend geschult, und wird als Allzweckmittel eingesetzt. Zum Beispiel um das Publikum mit wohlformulierten Anekdoten zu unterhalten. Oder guttural einen daherzusingen, dass einem düngt, der Leibhaftige selbst stünde hier unter den Gürtelbögen. Instrumententechnisch waren alle drei Bandmitglieder vom Feinsten, und der Kontrabass wurde von Bassisten Aaron Hartman hergeknüppelt, auf dass sich der Himmel im Chelsea zeitweise verdunkelte. 

So, was für Musik war das dann jetzt wirklich? Also, drei Mal hat man von wirklich guten, straight-forward Punkrock Hadern sprechen können. Die Drummerin Jamie Peterson hat ihre Sticks gebeutelt, der Sänger das Haar. Ja und dann war auf jeden Fall so eine Art Bluegrass auf Speed, aber ohne Banjo, dabei. Und natürlich das außergewöhnliche Solo am Saxophon, dass Sax Puristen an Teufelsaustreiberei denken lassen hätte. Und das abschließende Maultrommel Solo. Ja, Maultrommel.

Und viel zu schnell war dieser geile Spuk auch wieder vorbei, und unbedarften Menschen hätte dieser Auftritt demonstriert, wohin übermäßiger Genuss harter Narkotika oder das mehrmalige Kollidieren mit immobilen Objekten führen könnte. Doch aus den Derwischen sind wieder wirklich nette Priestersöhne und –töchter geworden, die sich im eloquenten Zwiegespräch mit den mundoffenen Chelseagästen übten und putzige selbstgemachte T-Shirts unters Volk brachten.
Ein Abend... bist denn du deppert.

 

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Creatix Kommunikationsagentur Rumler Skrobar