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Keine Konzeptkünstlerin (2004)


Eine Photographin fürchtet sich vor der Dunkelheit - und lichtet sie deswegen ab. Das Ergebnis dieser Arbeit kann man sich jetzt im Restaurant Podium anschauen.


Ja ja, natürlich hat Sophie Dvorák die "Dunkelheit" als solches nicht photographiert, weil sonst würde man ja nichts sehen oder müßte sich zwecks Rezeption gar noch auf der philosophischen Ebene herumschlagen, was jetzt wirklich niemand will.
Was auf den drei Photographien seit 8. Mai im Podium in der Westbahnstraße tatsächlich zu sehen ist, ist das Resultat einer nächtlichen Reise durch die Ebenen des Burgenlandes. Reisemittel war das Auto, unterstützend fuhr man mit Fernlicht. Zum Photographieren stieg Dvorák dann aus dem Fahrzeug aus, konfrontierte sich mit ihrer Angst vor der Dunkelheit und hielt die vom Fernlicht illuminierte Landschaft bildlich fest. Durch das starke Licht wirken die im Vordergrund beleuchteten Inhalte besonders stark, die Dunkelheit ist aber absolut. Unterstützt wird der Effekt durch die großen Leuchtkästen, in die die Photos eingebettet sind:große Wirkung.

On Stage

Diese Exponate sind natürlich nicht die ersten Werke der 26jährigen Künstlerin, die sich nicht als solche sieht:"Ich bin nicht so der Konzeptkünstler, was mir taugt, probiere ich aus" - wenn es sein muß, auch mit minderwertigem Equipment. Sieht man ihre bisherigen Arbeiten durch, so dürfte ihr viel taugen. Ausgestellt hat sie unter anderem im dietheater (Künstlerhaus, 2000) und in der MU-Galeria in Budapest (2001). Daß beide Ausstellungsräume Spielstätten dramatischer Kunst sind, ist kaum Zufall, stand doch Dvorák über mehrere Jahre als Tanzphotographin im Dienste verschiedener Tanz- und Performance-Künstler der freien Szene und der Wiener Volksoper. Dort hat sie absolut herzeigbare Bilder von den Produktionen "Caravaggio", "Hyde & Jekyll" und "Je veux, je veux" gemacht. Bei diesen Photos ging es "nicht um eine um eine dokumentarische Wiedergabe der Stücke, sondern vielmehr darum, Momente einzufangen, neue Bilder zu schaffen, die für den Zuseher nicht erfaßbar sind", sagt sie. "Es entstehen eigenständige Werke, die für sich sprechen und des Ausgangsmaterials nicht mehr bedürfen."

Off Stage

(Fast) pragmatischer ist ihre Position als Photographin beim Monatsmagazin "dieWirtschaft". Sophie bezeichnet das Blatt als ihren eigenen Spielplatz, und zwar seit 2001. Dort bringt sie ihren persönlichen Stil ein, ihre Freiheiten ziehen sich durch das Magazin und enden maximal am Cover.

Der Weg zur Photographie und wieder weg von ihr

Begonnen hat Sophie Dvorák ihre photographische Karriere vor Jahren über einen Freund. Dem folgte der Entschluß, das Handwerk auf der Graphischen professionell zu erlernen und so die Lichtbilderei zu einem Job zu machen. Seit 2000 tut sie das, bildlich dokumentiert durch freie Arbeiten für das Kulturmagazin "SIM’s Kultur", die World Sports Awards in London usw. usf.
Im letzten Jahr durchlebte Dvorák auch eine Weiterentwicklung. Sie sieht die Photographie nicht nur als Beruf, sondern durchaus auch als Mittel, persönliche Beweggründe auszudrücken. "Ich habe vorher meinen Job gemacht, jetzt möchte ich viel ausprobieren", meint sie. "Es gilt nun, andere Aspekte zu erforschen." So entstehen Photos von "uninteressanten" Objekten, die durch den Blickpunkt erst interessant werden. "Ich mein’, ich habe Photos von Wänden gemacht! Dahinter stand der Entschluß, auch in einer abgefuckten Wand etwas interessantes zu sehen."
Die Weiterentwicklung ist zur Zeit auch auf ihrer Homepage zu sehen. Ihr dort ausgestelltes laufendes Projekt hat durchaus etwas Lässiges. Oder auch etwas Meditatives, wie sie selbst ihre im Podium ausgestellten Leuchtkästen bezeichnet. Es kann also erwartet werden, daß sich Dvorák bald wieder einmal in ihr Auto setzt, um sich in der Dunkelheit weiterzuentwickeln. Spannende Sache, das. 

 

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Creatix Kommunikationsagentur Rumler Skrobar